Kapitalmärkte

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„Same procedure as every year“ – Der Kapitalmarktkommentar von Frank Termathe

Auch im Börsenjahr 2019 werden alte Probleme und unvorhergesehene Ereignisse die Märkte wieder stark bewegen. Im Prinzip so, wie schon im letzten Jahr und den Jahren zuvor.

Ein altes und gleichzeitig schwer kalkulierbares Problem ist der US-Präsident Donald Trump. Die Auswirkungen des Handelskrieges, den er anzettelte, wurden an den Börsen, insbesondere in den letzten Monaten des vergangenen Jahres, sichtbar. Es kam zu einer regelrechten Ausverkaufssituation an den Aktienmärkten. In den Medien wurde sogar vor einer bevorstehenden Rezession gewarnt. Da diese These aber durch das vorliegende Datenmaterial deutlich übertrieben erschien, besannen sich viele Investoren und erkannten, dass es um die Weltwirtschaft, trotz Handelskrieg, BREXIT und strafferer Notenbankpolitik, nicht so schlecht bestellt war, wie befürchtet. 

Ja, die oben genannten Faktoren verleihen der wirtschaftlichen Entwicklung einen Dämpfer. Der BREXIT jedoch ist stark national begrenzt und hat über die Insel hinaus deutlich geringere Effekte. Es wird geschätzt, dass die britische Volkswirtschaft um etwa 2 Prozent schrumpfen könnte, die europäische aber nur einen Wachstumsdämpfer von etwa 0,1 Prozent erleidet, sollte es zu einem Austritt der Briten kommen.

Der Handelskrieg mit China hat da eine andere Dimension. Die gegenseitig erhobenen Straf- und Gegenzölle sind so umfangreich und in ihrer Wechselwirkung so kompliziert, dass eine fundierte Einschätzung fast nicht möglich ist. Die Unsicherheit über die Auswirkungen war dann auch  für den Verkaufsdruck der letzten Monate verantwortlich. Denn nichts scheuen Investoren mehr als Unsicherheit.

Die Angst vor steigenden Zinsen und die etwaige Normalisierung der weltweiten Notenbankpolitik wird auch in diesem Jahr ein wichtiges Thema bleiben. Investoren werden wie ein Seismograf auf kleinste Veränderungen große Kursausschläge verursachen. Die Volatilität wird also hoch bleiben. In diesem Umfeld zu agieren, wird auch in diesem Jahr wieder herausfordernd sein. Es gilt die Risiken dort zu reduzieren, wo sie in einem schlechten Verhältnis zu den Chancen stehen. Und dort zu investieren, wo sich langfristig gute Chancen bieten.

Langfristige Trends und kurzfristige Chancen

In beiden ETF-Mandaten setzen wir auf Trends, die langfristig große Chancen und damit Wachstum und Gewinne versprechen. Der Austausch von sensiblen und schützenswerten Daten in privaten, geschäftlichen und staatlichen Bereichen lockt zunehmend (Wirtschafts-)Kriminelle an und macht damit höhere Sicherheitsstandards unabdingbar. Der „Cyber Security Fonds“ investiert in Firmen, die diese Schutzmaßnahmen entwickeln und verkaufen. Da wir für diese Branche langfristig weiterhin gute und stabile Wachstumsraten erwarten, halten wir in den ETF-Mandaten einen strategischen Anteil des Fonds.

Ein weiterer langfristiger Trend ist für uns die Automatisierung der menschlichen Arbeitskraft und deren Ersetzung durch Maschinen. Durch die enorme Entwicklung der Computerleistung und der intelligenten Programmierung von Algorithmen, die oft mit künstlicher Intelligenz gleichgesetzt werden, stehen wir am Anfang einer neuen industriellen Revolution. Zwar mögen dem ein oder anderen die ungelösten ethischen und sozialen Fragen großes Unbehagen bereiten, der Trend ist dennoch unübersehbar. Selbstfahrende LKWs und humanoide Roboter werden schon bald Realität sein. Der beste Weg diesen Veränderungen zu begegnen ist, sie zu akzeptieren und in die Unternehmen, die sie gestalten, zu investieren. Deshalb halten die ETF-Mandate Anteile an dem „Robotic and Automatisation“-ETF von Legal & General. In diesem ETF befinden sich die Unternehmen, die im Bau von Robotern und der Entwicklung von Automatisationsanwendungen führend sind.

Kurzfristig halten wir ein taktisches Investment in China. Im Wesentlichen gibt es dafür drei gute Gründe: Zum Einen hat der Handelskrieg zwischen den U.S.A. und China zu erheblichen Kursrückgängen am chinesischen Aktienmarkt geführt und der Markt hat „Chart-technisch“ einen Boden gebildet. Zum Anderen wurden die Auswirkungen der Gegenzölle, die von chinesischer Seite verhängt wurden, von amerikanischer Seite unterschätzt und sind für einige Unternehmen bereits sehr schmerzhaft. Und zu guter Letzt inszeniert sich Donald Trump gerne als „Dealmaker“. Sein Muster: Er provoziert eine Auseinandersetzung, die in eine Krise führt. Wenn sie ihren Höhenpunkt erreicht hat, wird sie medienwirksam vom Präsidenten persönlich gelöst. Damit ist eine Beilegung oder zumindest eine Deeskalation des Handelsstreites sehr wahrscheinlich. Wenn dies erfolgt, erwarten wir einen deutlich steigenden chinesischen Aktienmarkt.

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Über den Autor

Frank Termathe

Portfoliomanager der ETFplus-Vermögensverwaltung

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