Kapitalmärkte

Kapitalmärkte

Kapitalmärkte 1920 1080 Mayflower Capital
„Schaffen es die Engländer?“ – Der Kapitalmarktkommentar von Frank Termathe

Schaffen es die Engländer? Damit meine ich nicht die Spielergebnisse bei der Fußball-EM, sondern die inzwischen nervende Berichterstattung über den Verbleib der Engländer in der EU. Beim Brexit – einem neuen Kunstwort der Medien – geht es um nichts Geringeres als den Fortbestand der Europäischen Union, um alles oder nichts. Die Medien zelebrieren die Angst vor dem Untergang und Experten warnen vor einem Erdbeben an den Finanzmärkten, sollten die Europagegner gewinnen.

Die Diskussion wird insbesondere in England, gar nicht typisch britisch, hitzig und emotional geführt. Fast alle Banken erstellten Analysen, teilweise im Buchumfang, in denen Vor- und Nachteile für Großbritannien ebenso detailliert analysiert wurden, wie die Auswirkungen für die Europäische Union. Meine Meinung dazu: die Briten werden nicht austreten. Die Kapitalmärkte werden mit Erleichterung reagieren und die Kurse werden steigen. Warum bin ich mir so sicher, wo es in den Umfragen doch fast 50 zu 50 steht? Erstens erhalten die EU-Gegner in der Öffentlichkeit eine wesentlich höhere Medienpräsenz als die Befürworter. Das Bild ist also verzerrt und keineswegs so objektiv wie dargestellt. Zum anderen sind 25 Prozent der Befragten unsicher, wie sie abstimmen sollen. Und unsichere Wähler stimmen eher für den Erhalt des „Status-quo“, als für eine ungewisse Zukunft. Und zuletzt ein Blick auf die Wettquoten. Die Briten sind für ihre Wettleidenschaft bekannt. Bekanntlich ist Geld ein zuverlässiger Indikator für die Ernsthaftigkeit einer Meinung und deren Eintrittswahrscheinlichkeit. Und bei den britischen Buchmachern stehen die Quoten deutlich auf Sieg für die EU Befürworter. Wenn wir am Donnerstagabend die ersten Ergebnisse erhalten, werden die Kapitalmärkte mit Erleichterung reagieren und am Freitag werden die Kurse wahrscheinlich schon wieder steigen.

Doch entspannen Sie sich nicht zu früh! Bald schon stehen in Spanien Neuwahlen an. Da die Regierungsbildung im Mai gescheitert ist, hat der König Neuwahlen angeordnet. Und die Angst vor einem Sieg der linksgerichteten Parteien geht um. Man wird befürchten, dass die Spanier wie die Griechen reagieren und ihre Schulden nicht zurückzahlen wollen. Die Medien werden auch dieses Thema zelebrieren und die ganze Aufmerksamkeit der Zuschauer darauf richten. Es wird wieder einmal um alles oder nichts gehen.

In der ETFplus-Vermögensverwaltung haben wir uns entsprechend positioniert. Die Portfolios waren in den letzten Wochen defensiv ausgerichtet, weil wir stärkere Schwankungen wegen der Abstimmung im Königreich erwartet hatten.

Die inzwischen erfolgten Kursrückgänge nutzten wir, um die Liquidität zu investieren. Wir verstärkten mit dem „Lupus Alpha Smaller German Champions“ unsere Positionen in deutschen Nebenwerten. Wir glauben, dass Unternehmen mit kleinerer Marktkapitalisierung weiterhin Ziele für Übernahmen sein werden. Schon in den vergangenen Monaten konnten wir beobachten, dass in Phasen der Unsicherheit die Kursrückgänge geringer ausfielen als beim DAX. Der Grund dafür liegt in einer oftmals günstigen Bewertung und einer starken Marktpositionierung des jeweiligen Geschäftsfeldes. Vor einer Woche machte das chinesische Unternehmen Midea ein Übernahmeangebot für den Roboterbauer Kuka. Die Aktie von Kuka notierte am Tag vor dem Übernahmeangebot bei 85 Euro und sprang nach Bekanntwerden der Übernahmepläne auf 105 Euro. Ein Plus von 23 Prozent an einem Tag. Der chinesische Käufer bietet den Aktionären bei Abschluss der Übernahme sogar einen Preis von 115 Euro je Aktie an, was einem Aufschlag von 35 Prozent gegenüber dem Börsenkurs des Vortages entspricht. Warum sind andere Unternehmen oder Investoren immer wieder bereit so hohe Aufschläge zu bezahlen? Zunächst ist der Markteintritt damit einfacher zu erreichen, als selbst ein Unternehmen aufzubauen und mühsam Kunden und Marktanteile zu gewinnen. Der Markteintritt, der sonst womöglich kostspielig scheitern könnte, ist damit garantiert erfolgreich. Darüber hinaus erfolgt der Markteintritt sofort, ohne zeitliche Verzögerung, ein erheblicher Vorteil gegenüber den eigenen Konkurrenten.

Sollten Sie also in der Zukunft lesen, dass mittelständische deutsche Unternehmen von ausländischen Investoren gekauft werden, dann denken Sie bitte daran, dass das gut für Ihr Investment ist.

Share
Avatar
Über den Autor

Frank Termathe

Portfoliomanager der ETFplus-Vermögensverwaltung

Back to top